Hangar 6 Flugplatz Gütersloh – Ein kurzer Lebenslauf

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Blick auf das Vorfeld ca.1946 © Stadtarchiv Gütersloh

Gebaut wurde Hangar 6 zusammen mit den fünf weiteren Flugzeughallen auf dem Flugplatz Gütersloh in den Jahren 1935 und 36. In der Folge waren hier Kampf- und Tag-Jagdverbände der Luftwaffe des dritten Reichs untergebracht. Von 1941 bis 1944 diente der Fliegerhorst Gütersloh hauptsächlich als Reparatur- und Nachschubbasis für die deutsche Nachtjagdwaffe der Luftwaffe des dritten Reiches. Hangar 6 wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch mit der Unterbringung und Wartung von Messerschmitt Bf 110 und Junkers Ju 88 Nachtjägern betraut.  Am 19.04.1944 fand der erste Luftangriff auf den Flugplatz durch alliierte Bomber der 8th USAAF statt. Die 62 Maschinen vom Typ Boeing B-17 „Flying Fortress“ und B-24 „Liberator“ warfen insgesamt 247 Spreng- und 267 Brandbomben ab. Es gab zwei Tote.

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Überreste einer zerstörten Dornier Do 335 „Pfeil“ in Gütersloh © Stadtarchiv Gütersloh

Die näher rückenden Amerikaner führten Anfang 1945 dazu, dass die deutsche Luftwaffe sämtliche Flugzeughallen sprengen wollte, um sie den Alliierten nicht zu überlassen.  Der Gütersloher Bürgermeister Bauer konnte den Flugplatz Kommandanten schließlich davon abhalten seinen Plan in die Tat umzusetzen. Der durch die vorherigen Angriffe der Briten und US-Amerikaner leicht beschädigte Hangar 6 wurde ab dem Frühjahr 1945 öfters notdürftig instandgesetzt.  Die amerikanischen Streitkräfte besetzten den Fliegerhorst Gütersloh offiziell am 6. April 1945 durch die Vorausabteilung des 851st Engineer Aviation Battalion. Die Amerikaner fanden bei der Besetzung des Flughafens 16 Junkers Ju 88, sieben Messerschmitt Bf 109, fünf Heinkel He 111, vier Messerschmitt  Me 110, drei Focke Wulf Fw 190, eine Focke Wulf Fw 200, sowie Reste von einer Messerschmitt  Me 262 und einer Dornier Do 335. Die USAAF stationierte hier Maschinen vom Typ Lockheed P-38 F-5E Lightning und North American Mustang P-51D. Kurze Zeit später übernahm die Royal Air Force den mit dem alliierten Code Y-99 versehenen Flugplatz. Hangar 6 war daraufhin die Heimat eines Teils des aus drei Staffeln (Squadrons) bestehenden Mosquito Geschwaders, dem  No. 140 Wing.

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Hawker Hunter FR. Mk 10 der No IV (AC) Sqadron © G. Kipp

Im Dezember 1948 verlegten schließlich die Flugzeuge der Communications Flight des Hauptquartiers der No. 2 Group, mit Sitz in RAF Sundern (Mansergh Barracks) an der Verler Straße,  in den Hangar. Die Flight blieb bis zum September 1951. Sie operierte vom Vorfeld und den umliegenden Abstellflächen mit einer bunten Mischung verschiedener Luftfahrzeuge, wie Avro Anson C. Mk 19, deHavilland Vampire T. Mk 11, Gloster Meteor T. Mk 7, deHavilland Chipmunk T. Mk 10 und deHavilland Vampire FB. Mk 9.

Drei Monate, nachdem die Verbindungseinheit  Hangar 6 verlassen hatte, nutzte die No. 79 Squadron für genau drei Jahre mit ihren 16 Gloster Meteor FR. Mk 9 und T. Mk 7 den Hangar 6. Aufgrund der großen Anzahl ihrer verfügbaren Jets und der hohen Anzahl an Piloten und Wartungscrews verwendete die Staffel gleichzeitig den Nachbarhangar mit der Nummer 7.

Über die Jahre danach ist über die Nutzung des Hangars wenig bekannt und erst vom September 1958 biis Dezember 1962 waren die Tagjagdflugzeuge vom Typ Hawker Hunter F. Mk 6 der No. 14 Squadron dort untergebracht. Im östlichen Nachbarhangar war gleichzeitig die No. 26 Squadron untergebracht. Die Piloten konnten aufgrund der Lage ihrer Büros und Gemeinschaftsräume direkt in den Bereitschaftsraum im ersten Stock von Hangar 6 sehen. Nicht nur einmal machten sich die Crews der No. 26 Squadron einen Spaß daraus, den diensthabenden Warrant Officer oder anwesende Piloten anzurufen, um dann kurz vor dem Abnehmen des Hörers die Verbindung zu unterbrechen.

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Tiger Meet 1982 © G. Wann

Zunächst brachte die No. 14 Squadron ein Dutzend Flugzeuge unter, ab Ende 1960 waren es nach Auflösung der No. 20 und No. 26 Squadron bis zu 18 Hawker Hunter F. Mk 6. Diese wurden ebenfalls auch im nebenan liegenden Hangar 7 untergestellt und gewartet.

Nach der Auflösung der letzten RAF Germany Hawker Hunter Einheit blieb nicht viel Zeit für notwendige Renovierungen. Bereits im Januar 1963 nannte die No. 230 Squadron mit ihren Westland Whirlwind HAR. Mk 10 Transporthubschraubern für knapp zwei Jahre den Hangar seine Heimat. Die Staffel verlegte dann via England zu ihrer neuen Basis auf der pazifischen Insel Borneo.

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Westland Wessex HC. Mk 2, No 18 (B) Squadron © G. Grondstein

Im  Januar 1965     erreichte eine weitere Hubschrauber Einheit Gütersloh und zog in Hangar 6 ein. Die No. 18 (B) Squadron war mit zunächst 12 und später mit bis zu 16 Westland Wessex HC. Mk 2 mittleren Transporthubschraubern bis Dezember 1967 inklusive aller Besatzungen und Techniker in der Flugzeughalle und den angeschlossenen Räumen und Büros untergebracht.  Ende 1967 musste die Einheit der No. IV (AC) Squadron mit ihren acht Hawker Hunter FR Mk.10 weichen. Die Hubschrauber verlegten schließlich nach RAF Acklington,  kehrten dann kurzfristig im August 1970 zurück nach Gütersloh und zogen nach Auflösung der No. IV (AC) Squadron wieder in Hangar 6.  Die ebenfalls mit dem Jagdaufklärer Hawker Hunter FR. Mk 10 ausgestattete No. II (AC) Squadron brachte man im Nachbarhangar mit der Nummer 7 unter.

Die No. 18 (B) Squadron mit ihren 14-16 Westland Wessex HC. Mk 2 Hubschraubern blieb über zehn Jahre der Hallenutzer im östlichen Flugplatzbereich. Einmalig lud die Squadron am 18. September 1975 zu einem „Helicopter Meet“ verschiedene Hubschrauber-Einheiten der NATO zu einem Treffen in ihre Hangars 6 und 7 ein.

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Blick in Halle 6, gefüllt mit Puma HC. Mk 1. © B. Taylor

Ein im wörtlichen Sinne fliegender Wechsel erfolgte im November 1980, als die No. 230 Squadron ausgerüstet mit 14 Hubschraubern vom Typ Aéropatiale / Westland Puma HC. Mk 1 in den Hangar 6 einzog. Am 26. August 1982 war die No 230 Squadron Gastgeber des NATO „Tiger Meet“ in Gütersloh, zu diesem Anlaß wurde der Hangar 6 entsprechend geschmückt. Mehrere Male veranstaltete die Staffel ihren beliebten „Families Day“ im Innen- und Außenbereich von Hangar 6. Am 29. August 1986 und auch am 29. Juli 1988 (dem siebzigjährigen Jubiläum der No. 230 Squadron)  fanden mit der Teilnahme verschiedener NATO-Jets und Hubschrauber besonders große Familientage statt. Die „Tiger“ waren schließlich die letzten fliegenden Nutzer von Hangar 6 – bis zum 30. April 1992. An dem Tag verlegte ein Großteil der Puma Flotte mit der Staffel nach RAF Aldergrove in Nordirland.

Ab Juni 1993 waren verschieden Einheiten der British Army in der Flugzeughalle untergebracht, zum Schluss standen LKW des 6.Regiments der 102. Logistic Brigade dort. Das Royal Logistics Corps blieb bis zum Jahr 2016 Nutzer des Hangars. Am 3. November 2016 wurde der Flugplatz an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.