Einführung

Die English Electric Canberra war ein zweistrahliges britisches Kampfflugzeug.

Anzeige im Flight Magazin, 20 März 1953 Canberra © via Kate Yates BAE Heritage Center

Anzeige im Flight Magazin, 20 März 1953 Canberra © via Kate Yates BAE Heritage Center

Sie gehörte der ersten Generation von Strahlflugzeugen an, wurde ab 1944 als Ersatz für die de Havilland Mosquito entwickelt und 1951 von der Royal Air Force in Dienst gestellt. Als Besonderheit waren die Triebwerke in die Tragflächen integriert. In den USA in Lizenz gefertigte Modelle der US Air Force sind unter dem Namen Martin B-57 bekannt.

Insgesamt wurden 1.352 Canberras produziert, darunter 403 B-57 und 48 Flugzeuge für die Royal Australian Air Force. Verschiedene Versionen wurden nach Argentinien, Kanada, Chile, Ecuador, Äthiopien, Frankreich, Indien, Neuseeland, Pakistan, Peru, Rhodesien, Südafrika, Schweden, Venezuela und Westdeutschland exportiert. Die RAF Germany flog die Canberra etwa zwei Jahrzehnte. In der deutschen Bundeswehr wurden 1963 bis 1993 drei Exemplare beim Amt für Militärisches Geowesen für Bildflüge eingesetzt. Am 23. Juni 2006 wurden die letzten Canberras der RAF nach 55 Jahren offiziell außer Dienst gestellt.

Einbau Martin Baker Schleudersitz Mk 3 in eine Canberra B. Mk 2 im Werk in Preston ©via Kate Yates BAE Heritage Center

Einbau Martin Baker Schleudersitz Mk 3 in eine Canberra B. Mk 2 im Werk in Preston © via Kate Yates BAE Heritage Center

Das Flugzeug wurde ursprünglich als leichter Bomber und später als Fotoaufklärer eingesetzt. In der USAF verwendete man die B-57 als Nachfolger der B-26 Invader, unter anderem als Bodenangriffsflugzeug Martin B-57G im Vietnamkrieg. Andere Einsätze fanden während der Suez-Krise 1956 und im malayischen Bürgerkrieg durch die RAF sowie in den Kriegen zwischen Äthiopien und Eritrea bzw. Somalia, in den Indo-Pakistanischen Kriegen und in den „Buschkriegen“ Rhodesiens und Südafrikas statt. Eine für den Höheneinsatz modifizierte Version stellte 1957 mit 21.430 m einen Höhenweltrekord auf und diente der USAF vor der Indienststellung der Lockheed U-2 zu Spionageflügen über China und der Sowjetunion.

Zu einem Sonderstatus kam die Martin B-57G. Für Angriffe zur Unterbrechung des Nachschubverkehrs über den Ho-Chi-Minh-Pfad wurden 16 Nacht-Intruder B-57G umgebaut und mit einem abgeschlossenen „Nachtangriffspaket“ in der stark veränderten knollenförmigen Nase versehen. Dieses von Westinghouse entwickelte Paket enthielt vorwärts gerichtetes Suchradar, FLIR, ein Tiefflugvideoaufnahmegerät sowie einen Laser-Reichweiten- und Zielerfassungssucher.

Elf dieser Flugzeuge wurden ab September 1970 an das 13. Bombergeschwader auf dem Luftwaffenstützpunkt Ubon in Thailand geliefert und erwiesen sich bei der Operation „Tropic Moon III“ als äußerst erfolgreich. Sobald das Ziel von den Sensoren entdeckt und erfasst war, wurde per Lasersystem die Entfernung bestimmt und das Ziel markiert, sodass eine 227-kg-Bombe aus der Serie Paveway I mit großer Genauigkeit darauf Kurs nehmen konnte. Mit diesem Paket konnte die Martin B-57 schließlich die Funktion eines „Nachtintruders“ erfüllen.

Im Rahmen des „Pave Gat“-Programmes wurde mindestens eine B-57G mit dem dreiläufigen 20-mm-Geschütz XM197 auf einer einstellbaren Vorrichtung (im Bereich des Bombenschachts) bestückt, um sie als „Gunship“ einzusetzen. Die Tests waren zwar erfolgreich, doch die Maschine wurde nie für Einsätze in Vietnam benutzt.

Windkanalversuch mit einem Modell der Canberra © via Kate Yates BAE Systems Heritage Center

Windkanalversuch mit einem Modell der Canberra © via Kate Yates BAE Systems Heritage Center

 

Die Canberra T. Mk 4 mit der Kennung WT480

Gebaut wurde die WT480 im Frühjahr 1955 durch die English Electric Co. in Preston, das Flugzeug  konnte durch die Royal Air Force am 30. April 1955 abgenommen werden. Danach wurde sie kurzzeitig an die 33. Maintenance Unit (MU) in Lyneham/Wiltshire abgegeben, und am 3. Mai 1955 offiziell in Dienst gestellt. Zunächst war die Canberra T. Mk 4 im Einsatz bei der No 102 Squadron in RAF Gütersloh als Teil des 551 Wing und zwar von Sommer 1955 bis August 1956. Sie diente den Piloten der Squadron und der anderen drei Einheiten des Geschwaders für Pilotencheck- und Trainingsflüge.

Seitenrissdarstellung der Canberra T. Mk 4 im Einsatz bei der No 102 (B) Squadron in Gütersloh ca. 1955. Diese Zeichnung ist auch in unserem Shop als hochwertiger Kunstdruck im Format DinA3 zu bestellen.

Seitenrissdarstellung der Canberra T. Mk 4 im Einsatz bei der No 102 (B) Squadron in Gütersloh ca. 1955. Diese Zeichnung ist auch in unserem Shop als hochwertiger Kunstdruck im Format DinA3 zu bestellen.                      Zeichnung © Chris Sandham-Bailey im Auftrag vom VDLGT.de

Danach wurde sie ab 1958 bis Ende 1962 bei der Central Flying School (CFS) in Little Rissington eingesetzt. Dort flog das Flugzeug (Buchstabencode „CC“) am 1. April 1959 unter dem Kommando von Air Commodore Whitworth via Luqa/Malta, Khartoum/Sudan und Eastleigh/Kenia bis nach Salisbury/Rhodesien. Der Royal Rhodesian Air Force wurde die Canberra mehrfach und ohne einen technischen Ausfall in den nächsten Tagen vorgeführt – sehr erfolgreich, kaufte das afrikanische Land doch im Jahr 1957 schließlich insgesamt 18 Canberra für seine Luftwaffe.

Canberra T. Mk 4 WT480/CC rollt auf der RAF Basis Little Rissington im Jahre 1960 zum Start. Foto © Ray Deacon

Canberra T. Mk 4 WT480/CC rollt auf der RAF Basis Little Rissington im Jahre 1960 zum Start. Foto © Ray Deacon

Ab dem Jahr 1963 war die Canberra T. Mk 4 WT480 im Dienst für die Umschulungseinheit No 231 Operational Conversion Unit in Bassingbourn und diente viele Jahre der Ausbildung von zukünftigen Canberra-Piloten. Anschließend war sie abwechselnd für die No 7 Squadron in St. Mawgan, die No 13 Squadron in Luqa/Malta, erneut die No 7 Squadron (1980) und ab 1981 nochmals für die No 231 OCU in Wyton im Einsatz. Diese Nutzung (von Dezember 1990 bis Mai 1991 war die No 231 OCU als Canberra Training and Standardization Flight bekannt) dauerte bis zur Auflösung der No 231 OCU am 23. April 1993. Der letzte nachgewiesene Besuch in RAF Gütersloh in den Händen der Piloten der OCU (Buchstabencode „BC“) fiel in diesen Zeitraum und fand am 15. Juni 1989 statt.

Die Canberra T. Mk 4 WT480 der 231OCU aus RAF Wyton trägt bei ihrem Besuch in Gütersloh am 15. Juni 1989, keinen Buchstabencode am Leitwerk und gehörte zu den ca. acht bis zehn Flugzeugen, die in den letzten Jahren des Bestehens der Trainingseinheit für sie im Einsatz waren. Die WT480 war ein alter Bekannter für Gütersloh - sie flog als Trainer bei der 102Sqn des Bomber Command in den Jahren 1955 bis 56 von Gütersloh aus! Die Canberra T4 der 231OCU aus RAF Wyton trägt keinen Buchstabencode am Leitwerk und gehört zu den ca. acht bis zehn Flugzeugen, die in den letzten Jahren des Bestehens der Trainingseinheit für sie im Einsatz waren. Die WT480 war ein alter Bekannter für Gütersloh - sie flog als Trainer bei der 102Sqn des Bomber Command in den Jahren 1955 bis 56 von Gütersloh aus! Foto © Olaf Kestin

Die Canberra T. Mk 4 WT480 der No 231 OCU aus RAF Wyton trägt bei ihrem Besuch in Gütersloh am 15. Juni 1989, keinen Buchstabencode am Leitwerk und gehörte zu den ca. acht bis zehn Flugzeugen, die in den letzten Jahren des Bestehens der Trainingseinheit für sie im Einsatz waren. Foto © Olaf Kestin

Zusammen mit drei weiteren Canberra anderer RAF Wyton Einheiten war die WT480/BC am   26. und 30. März 1993 bei den Jubiläumsformationen zum 75ten Bestehen der Royal Air Force jeweils ein Teil der „Formation Six“. Nach einem flüchtigen Einsatz bei der Wyton Station Flight von Mai 1993 bis Ende Juni 1993 war die No 360 Squadron. in Wyton kurzzeitiger Nutzer der WT480 – und zwar vom 28.06.1993 bis 30.11.1993. In der Regel diente die WT480 dort erneut für Check-, Trainings- und Verbindungsflüge sowie für die Piloten-Ausbildung.

Als letzte Canberra-Squadron der Royal Air Force setzte die No 39 (1 PRU) Squadron in Marham das Flugzeug, jetzt mit dem Staffelcode „AT“, von Dezember 1993 bis zum Herbst des Jahres 2005 ein, unterbrochen mehrmals für einige Monate durch unregelmäßige Aufenthalte im Aircraft-Store. Die WT480 gehörte faktisch zu den zwei ältesten aktiven Maschinen des Typs Canberra bei der Royal Air Force – fünfzig Jahre war sie nahezu in ununterbrochenem Einsatz!

Im Dienste der No 39 (1 PRU) Squadron befindet sich hier die Canberra T. Mk 4 WT480 im Landeanflug auf die RAF Station Wyton. Foto © Shaun Connor

Im Dienste der No 39 (1 PRU) Squadron befindet sich hier die Canberra T. Mk 4 WT480 im Landeanflug auf die RAF Station Wyton. Foto © Shaun Connor

Im Oktober 2005 wurde der Trainer schließlich durch die Firma GJD Air Services verschrottet, lediglich die Cockpitsektion überlebte. Am 2. Juli 2015 fand das Cockpit des Jets schließlich nach mehreren Besitzerwechseln wieder den Weg zurück an seinen alten ersten Heimatort Gütersloh!

So wichtig die Canberra T. Mk 4 für die Umschulung und Ausbildung war, bei den Besatzungen war die zur T.Mk 4 mit zwei Schleudersitzen und zwei Steuerungen umgebaute B. Mk 2 nicht sonderlich beliebt. Das enge von Ausrüstung und Fluginstrumenten überfüllte Cockpit mit seinem dritten Hilfs-Klappsitz für den Navigator war besonders bei Nachtflügen mit schlechtem Wetter und gleichzeitigen asymmetrischen (mit einem laufenden Triebwerk) Übungsanflügen unbeliebt. Ein Pilot der No 39 (1 PRU) Squadron brachte es einmal auf den Punkt, als er nach einem Check-Trainingsflug gefragt wurde, was er machen würde, wenn beim Einparken gegenüber einer weiteren Canberra T. Mk 4 auf der Rampe die Bremsen plötzlich versagten: „Schub geben und gleich zwei von denen … vernichten!“

So wichtig die Canberra T.4 für die Umschulung und Ausbildung war, bei den Besatzungen war die zur T.4 mit zwei Schleudersitzen und zwei Steuerungen umgebaute B.2 nicht sonderlich beliebt. Das enge von Ausrüstung und Fluginstrumenten überfüllte Cockpit mit seinem dritten Hilfs-Klappsitz für den Navigator war besonders bei Nachtflügen mit schlechtem Wetter und gleichzeitigen asymmetrischen (mit einem laufenden Triebwerk) Übungsanflügen unbeliebt.

Ein Pilot der 39Sqn brachte es einmal auf den Punkt, als er nach einem Check-Trainingsflug gefragt wurde, was er machen würde, wenn beim Einparken gegenüber einer weiteren Canberra T.4 auf der Rampe die Bremsen plötzlich versagten: „Schub geben und gleich zwei von den ……….. vernichten!“

Technische Daten

Kategorie:  dreisitziger Trainer (zwei Piloten, ein Navigator)
Triebwerke:  zwei Rolls-Royce Avon RA3 mit je 2.951 kg Schub
Abmessungen
Länge:  19,96 m
Spannweite:  19,51 m
Höhe:  4,77 m
Max. Startgewicht:  17.252 kg
Max. Landegewicht:  14.301 kg
Höchstgeschwindigkeit:
846 km/h in Meereshöhe
Mach 0,75 (bis 15.000 Fuß)
Mach 0,79  (15.000 bis 20.000 Fuß)
Einsatzradius:  1.300 km
Überführungsreichweite:  5.440 km
Dienstgipfelhöhe:  14.600 m
G-Limits:
4g ohne Flügelspitzentanks
3g mit Flügelspitzentanks
Treibstoffkapazität:  8.507 Liter incl. 2x 1.136 Liter Flügelspitzentanks
Bewaffnung:  keine

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Die Vereinsmitglieder nach dem erfolgreichen Überführen der Canberra T. Mk 4 WT480 aus Kirchberg an der Jagst nach Gütersloh. Von links nach rechts: Marc Tecklenborg (GF VDLGT), Michael Brand (Kassenwart VDLGT), Hagen Franke, Matthias Birwe (Überführung der Canberra), Mark Richards (VDLGT) und Mario Nowak

Die Vereinsmitglieder nach dem erfolgreichen Überführen der Canberra T. Mk 4 WT480 aus Kirchberg an der Jagst nach Gütersloh. Von links nach rechts: Marc Tecklenborg (GF VDLGT), Michael Brand (Kassenwart VDLGT), Hagen Franke, Matthias Birwe (Überführung der Canberra), Mark Richards (VDLGT) und Mario Nowak.

Marcus Herbote, Marc Tecklenborg und Auszüge aus Wikipedia, im Juli 2015